Nachhaltigkeit – die Schöpfung bewahren

Jahrestagung des Evangelischen Schulbundes in Südwestdeutschland am 8. und 9. Oktober 2009 im Evangelischen Trifelsgymnasium in Annweiler

"Die Schöpfung zu bewahren ist für unsere evangelischen Schulen selbstverständliche Grundlage und Orientierung, Anspruch und Herausforderung. Nachhaltigkeit ist in diesem Zusammenhang kein Modebegriff, sondern die Forderung nach einer Entwicklung, die darauf Rücksicht nimmt, dass den Entwicklungs- und Umweltbedürfnissen künftiger Generationen in gerechter Weise entsprochen wird", so die Vorsitzende des Schulbundes Sonja Spohn in ihrer Begrüßung. „An unseren evangelischen Schulen ist in dieser Hinsicht schon viel angelegt und bewegt worden und wird weiterhin facettenreich umgesetzt." Philipp Gerlach, Leiter des Trifels-Gymnasiums, stellte Dr. Brigitte Dahlbender, die Vorsitzende des BUND Baden-Württemberg, vor. Ihr Impulsvortrag baut auf der 2009 veröffentlichten Studie "Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt" auf, die vom BUND, von Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst eed beim Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie in Auftrag gegeben wurde.

"Eine Krise ist ein produktiver Zustand, man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen (Max Frisch)", so Dr. Brigitte Dahlbender. "Angesichts der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise, des Klimawandels und des Rückgangs der Biodiversität sind viele Menschen verunsichert, ja fast handlungsunfähig. Politik und Wirtschaft antworten auf die derzeitigen Krisen nur mit den alten, gängigen Mustern: Einer wirtschaftlichen Stabilisierung durch teure Konjunkturprogramme.“
Stetiges Wachstum allein bewahre aber nicht vor Krisen und von einer wesentlichen Steigerung der Lebensqualität in Deutschland könne keine Rede sein. Die Lebenszufriedenheit stagniere seit Jahren trotz des beständig steigenden Bruttoinlandsprodukts.
"Dies alles gibt Anstoß zu einer gesellschaftlichen Debatte. Das neueste Photohandy und das größere Auto machen anscheinend nicht noch glücklicher. Ab einem bestimmten Lebensstandard und einem bestimmten Einkommen sind die Menschen satt. Dies kann nur heißen, dass Glück und Wohlstand anders zu definieren sind als bisher: Mehr erleben und weniger konsumieren!" gab Brigitte Dahlbender den Tagungsteilnehmern zu bedenken.
"Wichtig ist also eine Veränderung des Lebensstils, bei dem das Lebensrecht der Natur wichtiger ist als Güter und Geld. Dies gilt es in die Gesellschaft hineinzutragen und deshalb muss eine Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Schulen Eingang finden".

In der anschließenden Aussprache, moderiert von Volker Herion, wurde deutlich, dass die Lehrerinnen und Lehrer an evangelischen Schulen "mittendrin in der Thematik stehen": Wie können wir in Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern Perspektiven dafür aufzeigen, dass der kritische Umgang mit manch geliebter Üblichkeit in unserer Wohlstandsgesellschaft nicht Verzicht, sondern Zugewinn von Lebenszufriedenheit bedeutet? Wie kann die in der Nachhaltigkeit implizierte religiöse Grundorientierung vermittelt werden? Wie können Visionen für eine nachhaltige Zukunft mit und von Schülern erarbeitet werden? Frau Dr. Dahlbender verwies darauf, dass der BUND in diesem Zusammenhang für ein eigenständiges Schulfach "Ökologie" eintrete.

Dr. Rainer Tempel vom Pädagogischen Zentrum Bad Kreuznach fokussierte im Anschluss das Motto der Jahrestagung "Nachhaltigkeit – die Schöpfung bewahren" auf das Thema "Nachhaltigkeit und Schule" und leitete damit über zu den

Workshops
(Themen und Referenten)

"Schulgartenarbeit" (Werner Ollig, Eva Morgenstern, Gartenakademie Rheinland-Pfalz)

"Der Bauernhof als außerschulischer Lernort - am Praxisbeispiel Gut Hohenberg" (Tanja Plümer, Stiftung Ökologie und Landbau, Claudia Leibrock, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung)

"Eine Zeit der freudigen Feier des Lebens- die Erd-Charta als ethische Grundlage" (Ulrike Berghahn, Ökumenische Initiative Eine Welt)

"Natur in die Schule – Umweltbildung mit Hilfe der Gegebenheiten vor Ort" (Norbert Schäfer, Ingenieurbüro Stadt und Natur, Karlsruhe)

"Ökologisches Leben und globale Verantwortung – Schulpartnerschaft des Trifels-Gymnasiums mit dem Senegal-Hilfe-Verein" (Doris Racké)

"NaTuR: Naturwissenschaft, Technik und Religion – Ein Profilfach an evangelischen Gymnasien" (OStD Reinhart Gronbach, Herr Kindermann, OStR Hans-Christian Bader und Sabine Kramer, Schulzentrum Michelbach, Heidehof-Gymnasium und Lichtenstern-Gymnasium)

"Fifty-Fifty / Win-Win: Zwei Möglichkeiten des Energiesparens mit Schülern" (StD Lutz Quester, Gymnasium am Römerkastell, Alzey)

"Schülerfirmen" (Dr. Rainer Tempel, Pädagogisches Zentrum Bad Kreuznach)

"Das Haus der Nachhaltigkeit – ein Ort der Bildung für nachhaltige Entwicklung" (Michael Leschnig, Dipl. Forsting., Leiter Haus der Nachhaltigkeit Johanniskreuz)

"Globales Lernen" (Dorothea Werner-Tokarski, Pädagogisches Zentrum Bad Kreuznach)

Zum Abschluss der Tagung tauschten sich die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer auf einem "Marktplatz der Ideen" über Anregungen und Impulse aus den Workshops für ihre Schulen und ihren Unterricht aus. 
"Neues wagen, Netzwerke bilden, kleine Schritte ganz konkret zu gehen, dazu habe die Tagung motiviert", so Sonja Spohn, die Vorsitzende des Schulbundes.

Renate Bugenhagen