Schulleitung zwischen Management und Pädagogik

Treffen schulischer Leitungsteams im Evangelischen Schulbund

Königsfeld. Alle wollen etwas von ihnen: Lehrerkollegen, Schüler, Eltern und über den Kontext der eigenen Schule hinaus auch Kirchen und die Gesellschaft
insgesamt: „Der Erwartungsdruck wächst“, stellte Sonja Spohn fest, Vorsitzende des Evangelischen Schulbunds Südwestdeutschlands, bei einem zweitägigen Treffen von Schulleitungsteams im Zinzendorfschulwerk. Rund zwei Dutzend Führungskräfte waren am Wochenende zu selbstkritischem Erfahrungsaustausch und kollegialen Fachgesprächen nach Königsfeld gekommen.
Während der Evangelische Schulbund, der rund 30 Einrichtungen in Südwestdeutschland vertritt, bei seiner traditionellen Jahrestagung für alle Lehrkräfte und Erzieher meist pädagogische Themen behandelt, geht es bei der Zusammenkunft schulischer Leitungsteams im Wesentlichen um Fragen von Selbstverständnis und Profil der evangelischen Schulen, um Management und Führungsqualitäten. Vor dem Hintergrund immer schnellerer struktureller Veränderungen hätten sich die Aufgaben von Schulleitungen verändert, konstatierte Sonja Spohn, Leiterin des Evangelischen Mörike-Gymnasiums in Stuttgart, am Rande der Tagung. Die distanzierte Reflexion im Kollegenkreis liefere wertvolle Impulse zur Bewältigung neuer Herausforderungen.
„Die Ansprüche wachsen und damit auch unsere Verantwortung“, ergänzte Volker Herion, stellvertretender Schulbundvorsitzender aus Heidelberg. Der Erfahrungsaustausch im Kollegenkreis habe auch supervisorischen Charakter und sei ein Beitrag zur Qualitätssicherung. Bei der Konfrontation mit sich ändernden Parametern sei die Verwurzelung im christlichen Glauben gemeinsame identitätsstiftende Grundlage. „Diesen Kurs müssen wir beibehalten, wir dürfen nicht zum Spielball gesellschaftlicher Veränderungen werden“, formulierte Knut Schröter, geschäftsführender Leiter der Zinzendorfschulen und seit 1990 Mitglied des Verwaltungsrates des Schulbundes, eine weitere Herausforderung für die Leitungsteams.
Sie stehen unter Druck, viele Führungskräfte sind gestresst, was im Impulsreferat von Udo Ebert, Psychologiedirektor des Regierungspräsidiums Karlsruhe, unter der Überschrift „Rolle und Funktion von Schulleitung - zwischen Management und Pädagogik“ thematisiert wurde. Aspekte wurden im offenen Gespräch vertieft. Bei den vielen Gesprächsterminen, die Schulleiter und ihre Stellvertreter bewältigen müssen, geht’s meist um Probleme, meist haben die Gesprächspartner wenig Geduld, erwarten schnelle Lösungen. Das kann zur Belastung, gar als Bedrohung empfunden werden, stellten die leitenden Lehrkräfte in der Aussprache fest.
„Wir dürfen uns nicht bestimmen lassen vom Denken anderer, sonst laufen wir in die Falle des Getriebenwerdens“, so Johannes Treude, Leiter der allgemeinbildenden Zinzendorfschulen, „wir müssen agieren, nicht nur reagieren.“ Einig war sich Runde, dass Transparenz, informative Abstimmung im Team und Erfahrungsaustausch hilfreich bei der Bewältigung des Aufgabenspektrums sind. Wegen der vielschichtigen Begegnungen und Beziehungen in einer Schule sei die Bildung von Netzwerken wichtig, die der evangelische Schulbund auch zwischen pädagogischen Kollegien und Eltern fördert. Für sie werden eigene Treffen organisiert, ebenso für Lehrkräfte, wozu aktuell auch eine Qualitätsoffensive zum Fach Mathematik gehört.

(Bericht: Christina Nack, Königsfeld)