TAGUNG mit ELTERN
und Schul- und Internatsvertretern/-vertreterinnen
am Samstag, dem 23. Januar 2010
am Evangelischen Heidehof-Gymnasium in Stuttgart

„….damit das Lernen gelinge.
Fruchtbare Gespräche zwischen Elternhaus und Schule.“

Referent: Dr. Siegfried Däschler-Seiler
Institut für Erziehungswissenschaft der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg
Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Eltern und Erzieher


PROTOKOLL

Der Referent nimmt einleitend Bezug auf den § 55,1 des Schulgesetzes, in dem angeführt ist, dass die Eltern das Recht und die Pflicht der Mitwirkung haben, von einer gemeinsamen Verantwortung und vertrauensvollen Zusammenarbeit ausgegangen wird.
Von der „Pflege einer Erziehungsgemeinschaft“ ist die Rede, was Herr Däschler-Seiler auch als „Verfassungslyrik“ bezeichnet.
Im Artikel 6 des Grundgesetzes ist das Elternrecht verbrieft, das immer weiter ausgebaut und gestärkt worden ist. Das Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.
Beide Seiten – Staat und Eltern – haben „natürlicherweise“ unterschiedliche Vorstellungen.
Eltern sind parteilich, Eltern müssen immer auf Seiten des Kindes stehen – was aber auch wiederum kein „Plädoyer für Unvernunft“ bedeuten soll.
Schule hat folgende Aufgaben:
1. Qualifikationsfunktion, 2. Selektionsfunktion und 3. Allokationsfunktion.
Die Konstellation „Eltern und Schule“ passt also nicht harmonisch zusammen,
Bedingungen für das Misslingen der Kommunikation sind geradezu ideal!

Unter der zentralen Fragestellung
Was braucht ein Kind, damit das Lernen gelingt?
werden in Gruppen Aussagen und Aspekte gesammelt und erörtert zu den Themen-
bereichen „Was läuft gut in der Schule?“ und „Was könnte besser laufen?“

Beim Themenbereich „Was läuft gut in der Schule“ wurden folgende Stichworte angeführt:
*  gute Gemeinschaft
*  gute Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrern und Schülern
*  guter Kontakt zur Schulleitung
*  Ansprechbarkeit der Lehrer
*  die Schüler-Lehrer-Beziehung ist stimmig
*  engagierte Schüler in der SMV
*  das Kind wird ganzheitlich gesehen
*  große Geduld und hohes Engagement gegenüber den Schülern ist gegeben
*  Gruppenarbeit und fächerübergreifendes Lernen
*  Schule ist nicht nur Ort des Lernens, sondern auch Ort des Lebens.
    Verbindung zur „Wirklichkeit“ : Projekttage, Praktika
*  Kinder fühlen sich im Allgemeinen wohl
*  soziales Lernen wird gefördert
*  Interesse der Eltern am Schulerfolg des Kindes, an der Schule insgesamt
*  Unterstützung und Begleitung des Kindes

Beim Themenbereich „Was könnte besser laufen?“ wurden folgende Stichworte genannt:
-  stärkere Berücksichtigung der Schülerinteressen bzw. des Entwicklungsstandes
-  Schüler besser in Entscheidungen einbeziehen
-  Schüler in ihren Belangen ernster nehmen im Einzelfall
-  Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern
-  mehr Austausch der Lehrer untereinander
-  Information und Kommunikation – kurzfristig , Gremien
-  aktive Informationen von Lehrern an Eltern ( Hol-/Bringschuld)
-  Lob/ Tadel
-  Lehrer-Verfügbarkeit (Ressource)
-  Eltern-Reaktionen / Rückmeldungen
-  Informationsfluss – Prozesse/Strukturen: Eltern wechseln häufiger als Lehrer
-  methodisch-didaktische Kompetenz variiert von Lehrer zu Lehrer, kein
   verbindlicher Standard
-  Unterrichtsausfall: strukturierte Vertretung sehr selten
-  Lehrer haben keine Supervision
-  Vorbildfunktion der Lehrer
-  mehr Freiraum für das Kind
-  Schule als Lebensumfeld des Kindes respektieren, sich heraushalten
-  Wahrnehmung des Kindes / Aussagen von Lehrern als Chance sehen, einen anderen
    Blickwinkel einzunehmen
-  Lehrern „Gehör schenken“


Bei der anschließenden Gesprächsrunde wurde auf die im Folgenden angeführten Aspekte
noch einmal abgehoben.

Damit Lernen gelingt, braucht ein Kind

  • einen geregelten Tagesablauf

  • eine Ordnung durchzuhalten

  • Unterstützung, Verantwortung zu übernehmen

  • Gespräche mit dem Kind und Interesse daran, was es tut

Wichtig ist, nicht bei „Hintergrund-Botschaften“ hängen zu bleiben.
„Handfeste Absprachen“ sollten vereinbart werden.

Die Vorstellung von Eltern, Schule würde „schmerzfrei“ ablaufen, ist nicht realistisch.
Wichtig ist, dass Kindern vermittelt wird, dass Schwierigkeiten zu bewältigen sind, dass
es auch darum geht, Belastungen durchzustehen.

Eltern wünschen sich mehr Kommunikation und einen zeitnahen Austausch mit der Schule.